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Worauf unsere Folgen gebaut sind.

Hier steht, welche Studien hinter Länge, Aufbau und Rhythmus der Lernkind-Folgen stehen, mit wem sie gemacht wurden und was wir nicht wissen.

Stand
25. Oktober 2026
Zusammengestellt von
Tanja Aussenegg, MSc Erziehungswissenschaft

Was wir nicht wissen

Es gibt keine Studie, die für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren eine richtige Minutenzahl für Lernvideos belegt. Unsere Länge von meist zwei bis vier Minuten ist deshalb eine Ableitung. Sie stützt sich darauf, dass das Arbeitsgedächtnis zwischen 5 und 10 Jahren stark wächst12, und auf eine große Auswertung von Lernvideos für Erwachsene, bei der die mittlere Zuschauzeit höchstens sechs Minuten betrug3.

Diese Studien prüfen Lernprinzipien, nicht Lernkind selbst. Eine eigene Wirksamkeitsstudie zu Lernkind gibt es noch nicht.

Bauplan einer Folge

Die Reihenfolge ist in jeder Folge gleich. Markiert ist, wo welches Prinzip wirkt.

  1. 1Anker-FrageWas ist heute die Frage?Am Anfang steht eine Frage
  2. 2Rückblickab Folge 2: Was war beim letzten Mal?Selbst erinnern statt nur wiederhören
  3. 3Erklärungein Gedanke, in AbschnittenEin Gedanke pro Folge
  4. 4Lifehackwas man gleich ausprobieren kann
  5. 5Fazitin einem Satz
  6. 6Merk-Beispielein Bild, das bleibtGemeinsam schauen und reden
  7. 7Spoilerworum es nächstes Mal geht

Sechs Prinzipien

Ein Gedanke pro Folge

stark belegt
Ein Kernbegriff je Folge, in meist zwei bis vier Minuten. · Untersucht: 4 bis 15 Jahre, 5 bis 10 Jahre

Forschung

Das Arbeitsgedächtnis wächst in der Grundschulzeit stark.1 Das visuelle Arbeitsgedächtnis fasst mit fünf Jahren etwa halb so viel wie mit zehn.2

Bei Lernkind

Jede Folge erklärt genau einen Gedanken mit einem Kernbegriff. In neuen Folgen kommen auf Level 1 höchstens zwei neue Hilfswörter dazu.

Grenzen

Die Zahl „ein Kernbegriff plus zwei Hilfswörter“ ist unsere vorsichtige Umsetzung, keine gemessene Grenze.

Kurze Abschnitte statt eines langen Blocks

mittel belegt
Feste, kurze Abschnitte statt eines langen Blocks. · Untersucht: überwiegend Jugendliche und Erwachsene

Forschung

Eine Metaanalyse über 56 Untersuchungen zeigt: In Abschnitte gegliederte Lerninhalte werden besser behalten und angewendet, mit kleinen bis mittleren Effekten. Das gilt auch, wenn das Video das Tempo vorgibt.4

Bei Lernkind

Jede Folge hat feste Abschnitte: Anker-Frage, Rückblick (ab Folge 2), Erklärung, Lifehack, Fazit, Merk-Beispiel, Spoiler. Eine Folge dauert meist zwei bis vier Minuten.

Grenzen

Die Studien wurden überwiegend mit Jugendlichen und Erwachsenen gemacht. Für Kinder übertragen wir den Befund.

Am Anfang steht eine Frage

mittel belegt
Die Antwort kommt erst in der Erklärung. Neugier hilft beim Merken. · Untersucht: 10 bis 14 Jahre

Forschung

Wer neugierig auf eine Antwort ist, merkt sie sich besser.5

Bei Lernkind

Jede Folge beginnt mit einer Frage. Die Antwort kommt erst in der Erklärung.

Grenzen

Untersucht wurden ältere Kinder. Ob der Effekt bei Fünfjährigen gleich stark ist, wissen wir nicht.

Selbst erinnern statt nur wiederhören

stark belegt
In neuen Folgen fragt Nori im Rückblick ab und lässt Zeit zum Nachdenken. · Untersucht: ErstklässlerInnen, Schulklassen

Forschung

Sich selbst an Gelerntes zu erinnern festigt es stärker als bloßes Wiederholen. Das zeigte sich schon bei ErstklässlerInnen mit Wortlisten6 und in einer Metaanalyse zum Lernen im Klassenzimmer.7

Bei Lernkind

In neuen Folgen fragt Nori im Rückblick, was beim letzten Mal war, lässt kurz Zeit zum Nachdenken und bestätigt dann die Antwort.

Grenzen

Das Prinzip ist gut belegt. Dass eine kurze Denkpause im Video bei Fünfjährigen genauso wirkt, ist eine Ableitung: Bei Vorschulkindern wirkte Abrufen in einer Studie nur mit Hinweis und Rückmeldung.8

Verteilt statt am Stück

mittel belegt
Eine Folge an einem Tag reicht, Pausentage sind gut. · Untersucht: 5 bis 7 Jahre

Forschung

Kinder verallgemeinerten Gelerntes besser, auch eine Woche später, wenn eine Lektion pro Tag kam. Zwei Lektionen am Tag brachten keinen Vorteil gegenüber allem am Stück.9 Dass verteiltes Lernen besser hält als gebündeltes, zeigt eine große Metaanalyse.10

Bei Lernkind

Kein Autoplay. An einem Tag reicht eine Folge, Pausentage sind gut.

Grenzen

Die Kinderstudie hatte 36 Teilnehmende. Die Metaanalyse beruht überwiegend auf Erwachsenen.

Gemeinsam schauen und reden

mittel belegt
Gemeinsam schauen und danach reden. · Untersucht: Dreijährige

Forschung

Kinder verstanden Videos besser und lernten mehr Wörter, wenn Eltern beim Schauen Fragen stellten.11 Die Leitlinie der Kinder- und Jugendmedizin rät für 3- bis 9-Jährige, Inhalte gemeinsam zu nutzen und danach zu besprechen.12

Bei Lernkind

Lernkind ist zum gemeinsamen Schauen gemacht, auch am Fernseher. Jede Staffel endet mit einer Wochenmission für die Familie. In neuen Folgen stehen auf der Info-Karte zwei offene Fragen für das Gespräch danach.

Grenzen

Die stärksten Befunde stammen von Kleinkindern. Bei Schulkindern ist der Zusatznutzen vermutlich kleiner.

Lernkind: ab 5 Jahren untersuchte Gruppe überwiegend

Bildschirmzeit

Nach 30 Minuten geben Eltern frei. Hat ein Kind an einem Tag 30 Minuten Folgen geschaut, hält das Video an. Weiter geht es erst nach einer kleinen Eltern-Hürde – eine einfache Hürde, kein Ersatz für eure Aufsicht. Nach zwei Stunden Pause oder am nächsten Tag beginnt die Zählung neu. Der Stand wird nur auf diesem Gerät gespeichert und nicht übertragen; er gilt je Gerät und Browser.

Lernkind orientiert sich an der Leitlinie der Kinder- und Jugendmedizin12:

AlterEmpfehlung der Leitlinie (Freizeit)
unter 3 Jahrenkeine Bildschirmmedien
3 bis 6 Jahrehöchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, nicht ohne Eltern
6 bis 9 Jahrehöchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen
9 bis 12 Jahrehöchstens 45 bis 60 Minuten täglich

Lernkind zu Hause zählt zu dieser Freizeit-Bildschirmzeit. Darum sagen wir: An einem Tag reicht eine Folge, und Tage ohne Bildschirm sind gut.

Quellen (12)

Alle Quellen wurden am 25. Oktober 2026 aufgerufen. Bei jeder steht, mit wem die Studie gemacht wurde.

  1. Gathercole, S. E., Pickering, S. J., Ambridge, B. & Wearing, H. (2004). The structure of working memory from 4 to 15 years of age. Developmental Psychology, 40, 177–190. doi.org/10.1037/0012-1649.40.2.177Kinder und Jugendliche, 4 bis 15 Jahre
  2. Riggs, K. J., McTaggart, J., Simpson, A. & Freeman, R. P. (2006). Changes in the capacity of visual working memory in 5- to 10-year-olds. Journal of Experimental Child Psychology, 95, 18–26. doi.org/10.1016/j.jecp.2006.03.009Kinder mit 5, 7 und 10 Jahren
  3. Guo, P. J., Kim, J. & Rubin, R. (2014). How video production affects student engagement: An empirical study of MOOC videos. Proceedings L@S 2014, 41–50. doi.org/10.1145/2556325.2566239Erwachsene in Online-Kursen, 6,9 Millionen Video-Sitzungen
  4. Rey, G. D., Beege, M., Nebel, S., Wirzberger, M., Schmitt, T. & Schneider, S. (2019). A meta-analysis of the segmenting effect. Educational Psychology Review, 31, 389–419. doi.org/10.1007/s10648-018-9456-4Metaanalyse, überwiegend Jugendliche und Erwachsene
  5. Fandakova, Y. & Gruber, M. J. (2021). States of curiosity and interest enhance memory differently in adolescents and in children. Developmental Science, 24, e13005. doi.org/10.1111/desc.1300510 bis 14 Jahre
  6. Lipowski, S. L., Pyc, M. A., Dunlosky, J. & Rawson, K. A. (2014). Establishing and explaining the testing effect in free recall for young children. Developmental Psychology, 50, 994–1000. doi.org/10.1037/a0035202ErstklässlerInnen, Wortlisten
  7. Yang, C., Luo, L., Vadillo, M. A., Yu, R. & Shanks, D. R. (2021). Testing (quizzing) boosts classroom learning: A systematic and meta-analytic review. Psychological Bulletin, 147, 399–435. doi.org/10.1037/bul0000309Metaanalyse, Lernen im Klassenzimmer
  8. Kliegl, O., Abel, M. & Bäuml, K.-H. T. (2018). A (preliminary) recipe for obtaining a testing effect in preschool children. Frontiers in Psychology, 9, 1446. doi.org/10.3389/fpsyg.2018.01446Vorschulkinder
  9. Vlach, H. A. & Sandhofer, C. M. (2012). Distributing learning over time: The spacing effect in children’s acquisition and generalization of science concepts. Child Development, 83, 1137–1144. Volltext bei PubMed Central5 bis 7 Jahre, 36 Kinder
  10. Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T. & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks. Psychological Bulletin, 132, 354–380. doi.org/10.1037/0033-2909.132.3.354Metaanalyse, überwiegend Erwachsene
  11. Strouse, G. A., O’Doherty, K. & Troseth, G. L. (2013). Effective coviewing: Preschoolers’ learning from video after a dialogic questioning intervention. Developmental Psychology, 49, 2368–2382. doi.org/10.1037/a0032463Dreijährige mit ihren Eltern
  12. DGKJ u. a. (2023). S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, AWMF 027-075, Langfassung 1.3, S. 29/30. Leitlinie (PDF)Empfehlung von Fachgesellschaften, keine Einzelstudie

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