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Starke Gefühle

Wie erkläre ich meinem Kind Wut? Vom Vulkan im Bauch bis zum Abkühlplatz

Von Tanja Aussenegg ·

Kurz gesagt: Erklär deinem Kind Wut als Gefühl, das im Körper anfängt, mit heißem Bauch und harten Händen, und das nie falsch ist. Falsch sein kann nur, was jemand damit macht. Dazu hilft ein Bild: Wut steigt wie eine Treppe, und auf Stufe zwei kann man noch aussteigen. Was in der Hitze nicht geht, besprecht ihr später in Ruhe.

So erzählt es die Lernkind-Staffel „Wut verstehen“ in elf Folgen. Mias Turm liegt am Boden, ihr kleiner Bruder Max ist vorbeigerannt. Ihre Mama kündigt an: In zwei Wochen machen wir einen Plan gegen das Krachen. Bis dahin lernt Mia mit Nori, dem Eichhörnchen aus den Folgen, was Wut ist und wohin damit.

Die Staffel ist Level 1, verständlich ab 5 Jahren & für die ganze Familie, und gibt es in der App. Ihre erste Folge, „Der Vulkan im Bauch“, ist die Gratis-Folge der Welt „Starke Gefühle“.

Grundlage sind die Skripte unserer Folgen. Jede Folge wird vor der Veröffentlichung von Menschen mit Fachkenntnis geprüft. Wer das für „Starke Gefühle“ ist, steht auf der Seite Unser Prüfteam.

Aus „Mir geht's blöd“ werden zwei Namen und ein Platz zum Abkühlen. Die erste Folge „Der Vulkan im Bauch“ ist gratis.

Gefühle haben Namen, auch gemischte

In der Pause erzählt Mias Freundin Lena: „Wir ziehen weg.“ Am Abend sagt Mia nur: „Mir geht's blöd.“ Nori dachte, man habe immer nur ein Gefühl. Stimmt nicht. „Blöd“ ist gar kein Gefühl, sondern ein Wort für: Da ist etwas, und ich weiß nicht, was. Bei Mia sind es drei Dinge. Sie ist wütend, weil Lena es zwei Wochen lang nicht gesagt hat. Sie ist traurig, weil die Mauer in der Pause bald leer bleibt. Und ein anderes Kind, Ben, hat es vor ihr erfahren, und Mia hätte gern mit ihm getauscht. Das heißt Neid, und Neid ist nichts Schlimmes, fast jeder kennt ihn, er ist nur unbequem.

Dafür gibt es ein Gefühlsrad mit acht Feldern, aus dem man sich mehrere Namen nehmen darf.

Ein rundes Gefühlsrad mit acht farbigen, leeren Feldern

Wut auf Umwegen: Warum es bei Kleinigkeiten kracht

Mias Mama sagt wie jeden Abend: „Handy auf die Kommode.“ Heute schreit Mia: „Immer ich!“ Nori dachte, man werde dort wütend, wo etwas passiert. Stimmt nicht. Dreimal hat Mia heute nichts gesagt. Das alles ist mitgefahren wie in einem Rucksack und beim kleinsten Satz umgekippt. Deshalb war die Wut so riesig und der Anlass so winzig, und deshalb hat es die Mama erwischt, die gar nichts getan hat. Die Folge erklärt den Umweg, sie entschuldigt ihn nicht.

Ein Kinderrucksack mit Vortasche von der Seite

Aussteigen, bevor es knallt: Stufe zwei

Nori wartet auf den Knall und sieht ihn erst, wenn er da ist. Viel zu spät. Stufe zwei sieht nur man selbst, und dort kann man noch aussteigen. Dafür braucht dein Kind zwei Stellen am Körper, an denen es die Wut merkt, und eine Sache, die es dann tut: aus dem Zimmer gehen, Wasser trinken, die Füße auf dem Boden spüren, langsam ausatmen wie beim leisen Auspusten einer Kerze, etwas Weiches halten oder zu jemandem gehen, dem es vertraut.

Das Kind geht selbst und kommt selbst wieder. Das ist keine Strafe. Ohne eigenes Zimmer zählen Flur, Fenster, Bad oder eine Decke über dem Kopf genauso.

Kissen boxen oder Wut herausschreien kommt bewusst nicht vor. Warum, steht unten bei den Fragen.

Zwei Atem-Pfeile, ein blauer zum Einatmen und ein grüner zum Ausatmen

Der Stopp-Satz: Pause für zwei

Ein Bad, zwei Kinder, beide reden lauter. Nori dachte: Wenn einer ruhig bleibt, wird der andere auch ruhig. Stimmt nicht, jedenfalls nicht oben. Dann hilft nur eine Pause. Deshalb macht man vorher ein Wort aus, irgendeines: Pause, Gurke, Rotes Auto. Es heißt für alle: Wir sind zu weit oben, wir reden später weiter.

Der Kern der Folge: Das Wort gilt für alle, für Mia, Max, Mama und Papa. Auch ein Kind darf es zu einem Erwachsenen sagen, sonst wäre es ein Befehl. Und wer es sagt, hat nicht recht, er drückt nur auf Pause. Bei Mia heißt es Kürbis, und alle haben gelacht.

Sorry ist erst der Anfang: sagen, fragen, tun

Mia weiß, dass sie gestern zu weit gegangen ist. Nori dachte, mit Sorry sei alles wieder gut. Stimmt nicht, Sorry ist der Anfang. Erstens sagen, was man getan hat: nicht „Es tut mir leid, dass du sauer bist“, sondern „Ich habe dich angeschrien“, ohne Aber. Zweitens fragen, was der andere jetzt braucht. Drittens eine kleine Sache davon tun, nicht kaufen: den Turm mitbauen, gemeinsam einen Tee machen, dableiben.

Wann es wieder gut ist, entscheidet der andere, manchmal dauert das einen Tag. Wer sich nicht hinaustraut, kann mit einem Zettel unter der Tür anfangen. Mias Papa sagt: „Ich habe im Auto geschimpft und das war nicht wegen euch.“ Erwachsene machen auch etwas wieder gut, das ist keine Schwäche.

Ein Turm aus bunten Bauklötzen, der gerade umfällt

Nach dem Gewitter: das Gespräch in Ruhe

Wieder liegt Mias Turm am Boden, diesmal kühlt sie an ihrem Platz ab. Nori dachte, danach rede man besser nicht mehr darüber. Stimmt nicht. Wenn es ruhig ist, ist die beste Zeit für ein Nachgespräch. Mia fragt Papa: „Kann ich mit dir reden?“ Papa hört erst nur zu. Was ist passiert? Was wollte meine Wut? Was hilft nächstes Mal? Die Idee findet Mia selbst: „Ich baue in meiner Ecke.“ Niemand schimpft, es geht nicht darum, wer schuld ist.

Dann fragt Papa: „Möchtest du eine Umarmung?“ Mia sagt: „Jetzt nicht. Aber bleib da.“ Und Papa bleibt. Ja ist eine gute Antwort, Nein auch. Reden geht zu Hause oder mit jemandem aus Kindergarten oder Schule. Lena redet am liebsten mit ihrer Mama Jo. Und wenn es zu Hause gerade nicht geht, ist es eben jemand anderes. Am Ende hängt Mamas Plan aus Folge 1. Krachen wird es trotzdem wieder, aber jetzt weiß jeder, wie man zurückkommt.

Eine dunkle Wolke mit einem Blitz

Wenn euch die Wut Sorgen macht

Die Folgen stellen keine Diagnose und ersetzen keine Beratung. Wenn dich die Wut deines Kindes über längere Zeit beunruhigt oder du selbst nicht weiterweißt, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt oder mit einer Erziehungs- oder Familienberatungsstelle. Das heißt nicht, dass ihr etwas falsch macht.

In Deutschland berät die bke-Onlineberatung Eltern kostenfrei und ohne Namen, das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr erreichbar. Kinder selbst erreichen dort unter 116 111 montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr jemanden, kostenlos und anonym. In Österreich beraten die Familienberatungsstellen kostenlos, vertraulich und anonym. Rat auf Draht ist für Kinder und Jugendliche unter 147 rund um die Uhr da und berät Eltern und Bezugspersonen kostenlos per Video auf der Elternseite (alle Angaben Stand November 2026).

Quellen und Stand

Geschichten, Erklärungen, Tricks und Merksätze stammen aus den Skripten der elf Folgen von „Wut verstehen“. Darüber hinaus:

  • Kjærvik, S. L. und Bushman, B. J.: A meta-analytic review of anger management activities that increase or decrease arousal. Clinical Psychology Review 109, 102414, 2024. PubMed
  • Beratungs- und Notrufangebote: Nummer gegen Kummer, Rat auf Draht mit Elternseite, bke-Onlineberatung und Familienberatung Österreich, verlinkt im Abschnitt davor

Stand: November 2026

Das Ganze als kurze Folgen mit Nori – gemeinsam anschauen.

Passt dazu

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ich meinem Kind Wut erklären?
Die Staffel „Wut verstehen“ ist Level 1 und verständlich ab 5 Jahren & für die ganze Familie. Sie arbeitet mit Bildern zum Nachmachen, etwa Fäuste fest machen und loslassen.
Was tun, wenn mein Kind gerade einen Wutanfall hat?
Mitten in der Wut hilft kein Erklären, oben auf der Kurve hört keiner zu. Dann hilft eine Pause, etwa ein vorher ausgemachtes Stopp-Wort, und ein Abkühlplatz, an den das Kind selbst geht. Wer nicht allein sein mag, kühlt neben einem vertrauten Menschen ab. Geredet wird danach, wenn alle wieder ruhig sind.
Ist es schlimm, wenn mein Kind oft wütend ist?
Wut selbst ist kein Fehler, falsch kann nur sein, was jemand damit macht. Beunruhigt dich die Wut deines Kindes über längere Zeit, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt oder mit einer Erziehungs- oder Familienberatungsstelle.
Wie macht mein Kind nach einem Wutausbruch etwas wieder gut?
Mit drei Schritten: sagen, was man getan hat, ohne Aber, zum Beispiel „Ich habe dich angeschrien“. Dann fragen, was der andere jetzt braucht. Und eine kleine Sache davon tun, etwa den Turm mitbauen. Wann es wieder gut ist, entscheidet der andere.
Hilft es, Wut am Kissen oder Boxsack herauszulassen?
Eher nicht. Eine Übersichtsarbeit über 154 Studien fand, dass beruhigende Tätigkeiten Ärger verringern, Auspowern dagegen insgesamt nicht half (Kjærvik und Bushman, Clinical Psychology Review, 2024). Die Staffel setzt deshalb auf Beruhigung, etwa langsames Ausatmen.
Ist ein Abkühlplatz dasselbe wie eine Auszeit als Strafe?
Nein. Beim Abkühlplatz aus der Staffel wird niemand weggeschickt. Jeder sucht sich seinen Platz aus, geht selbst hin und kommt selbst zurück. Auch die Erwachsenen haben einen.
Was, wenn ich als Mutter oder Vater selbst laut werde?
Das kommt in Mias Familie auch vor: Papa schimpft im Auto, Mama wird laut, wenn es eilig ist. Deshalb gelten die Werkzeuge der Staffel für alle. Das Stopp-Wort darf auch ein Kind zu einem Erwachsenen sagen, und Wiedergutmachen ist für Erwachsene genauso gedacht.

Aus „Mir geht's blöd“ werden zwei Namen und ein Platz zum Abkühlen. Die erste Folge „Der Vulkan im Bauch“ ist gratis.